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Hast du Pfeffer und Frost gegründet, um ein gutes Beispiel für euer Software-Produkt zu haben (sprich MVP) oder steckt mehr dahinter?

Ich wünschte wir hätten damals schon so einen konkreten Plan gehabt, wo wir hinwollen. Aber: Eigentlich begann alles mit einer wilden Idee. Wir hatten bereits einen guten Draht zu unserer heutigen Kooperations-Bäckerei, die unsere Lebkuchen herstellt. Im Lebkuchen-Segment haben wir eine Marktlücke entdeckt. Bis zu unserem Launch gab es dort nur Einheitsbrei. Wir wollten ein Produkt erschaffen, welches zum einen von handwerklicher Qualität ist sowie ausordentlich gutes Design verbindet.

Zu Beginn haben wir die Idee aus unserer Entwickler-Brille gesehen: Wir bauen einfach einen Online-Shop auf und dann werden die Leute schon unsere Lebkuchen kaufen.

Yannik von Pfeffer und Frost

Das war natürlich sehr naiv. Das wir eine starke Marke aufbauen müssen, haben wir dann schnell gemerkt. Aber auch dabei dachten wir am Anfang noch: Unser Lebkuchendosen-Design wird ein Werkstudenten-Job. Um ein Branding aufzubauen, bedarf es jedoch viel Erfahrung.

Zum Glück sind wir dann mit der Agentur ELLIJOT zusammengekommen und haben gemeinsam nebenberuflich angefangen eine Marke aufzubauen. Wir hatten kein Budget, dafür haben wir den Designern Anteile an der Marke angeboten. Letztes Jahr haben wir dann gemeinsam die GmbH gegründet. Aktuell sind wir schon voll am vorbereiten der Saison und freuen uns schon sehr auf Weihnachten.

Ihr habt im Lebkuchenbereich eine Marktlücke entdeckt, sagtest du. Was euch besonders kennzeichnet ist eure illustrierte Verpackung, die jedes Jahr variiert.

Es gibt ein Meer von Lebkuchen – die aber alle völlig austauschbar sind. Außerdem haben sie wenig bis nichts mit einem traditionellen Handwerksprodukt zu tun. Wir sind das daher anders angegangen. Unser Produkt wird handwerklich hergestellt und schmeckt daher auch deutlich besser. Genauso beim Packaging: Wir bieten auf unserer Lebkuchen-Dose eine Fläche für KünstlerInnen/IllustratorInnen.

Dieses Jahr ist die Urban Jungle Dose rausgekommen. Diese hat uns eine niederländische Künstlerin designed. Außerdem sind unsere Produkte nachhaltiger, da wir kein Plastik verwenden, auf hohe Reyclingquoten achten und möglichst regionale Zutaten verwenden. Wie es der Zufall so will, gibt es jetzt auch schon andere große Hersteller die mehr Wert auf eine schön verpackte Lebkuchen legen.

Yannik, Pfeffer und Frost
Yannik von Pfeffer und Frost

Die großen Hersteller greifen gerne die Ideen von Start-ups auf. So gibt es auch seit neustem Bier aus gerettetem Brot – nach dem Beispiel und First-Mover Knärzje.

Es ist immer schade, wenn plötzlich die Industrie einfach abkupfert. Start-ups entwickeln die Innovationen und stecken viel Geld, Energie und Herzblut in ihre Produkte.

Yannik von Pfeffer und Frost

Das nervt natürlich.

Andererseits: Wenn andere kleine Hersteller die Idee übernehmen, finde ich das gar nicht so schlecht, da wir ja eine Veränderung herbeiführen wollen. Unsere Dose ist deshalb auch nicht weihnachtlich gestaltet. Die Dose soll das ganze Jahr über schön aussehen und nutzbar sein. Wenn andere die Idee aufgreifen und wir dadurch insgesamt weniger Müll produzieren, kommen wir unserem Ziel so auch näher.

Ihr arbeitet jedes Jahr mit unterschiedlichen IllustratorInnen zusammen. Nutzt ihr eure Lebkuchen als Bühne für die KünstlerInnen, also eben auch mit Herkunftsnachweis?

Wir bauen das ganze sogar noch weiter aus: Dieses Jahr haben wir einen größeren Einleger, der in jede Dose kommt und auf dem die nochmal ausführlich beschrieben ist wer das Design erstellt hat und wo man ihn oder sie findet. Außerdem haben wir ihn mittlweile zweisprachig, da wir auch ins europäische Ausland verkaufen. Wir sind sehr stolz auf unsere Produkte und die Designs und möchten auch unseren Künstlern damit Wertschätzung entgegenbringen. Diese wiederum stellen unsere Dosen auch gerne in deren Portfolio aus.

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Gerne würde ich auf eure Team-Zusammensetzung eingehen. Ihr seid mittlerweile zu viert im Gründungsteam: Wie sind eure Kompetenzen verteilt?

Mein Mitgründer Till und ich haben uns bei Telekom kennengelernt – als wir beide dort angestellt waren. Damals haben wir bereits begonnen uns nebenberuflich zu orientieren – zu Beginn als Freelancer. Dann haben wir die besagte Marktlücke im Lebkuchen-Regal entdeckt. Da wir beide aus Nürnberg kommen – der Hauptstadt für Lebkuchen – haben wir uns dann entschlossen eine neue Lebkuchenmarke in die Welt zu setzen.

Im nächsten Step haben wir uns auf die Suche nach Leuten für die Illustrationen gemacht. Am Anfangen dachten wir uns: Wir wollen eine coole Dose entwerfen die schön illustriert ist. Dazu wollten wir uns einen Werkstudenten suchen, der uns beim Design hilft. Wir hatten noch keine Ahnung davon, wie man eine Marke aufbaut; aber uns wurde schnell klar ein Werkstudent ist dazu nicht der richtige Weg. Zum Glück haben wir dann durch Zufall Elli kennengerlernt, die von Anfang an Bock hatte mitzumachen.

Aufgrund fehlenden Budgets ist die Agentur Ellijot dann für Anteile eingestiegen.

Yannik von Pfeffer und Frost

Wir hatten ja gerade mal genug Kapital um unsere Produkte vorzufinanzieren.

Das erste Jahr haben wir dann erfolgreich abgeschlossen, sind näher zusammengewachsen und haben uns auch auf persönlicher Ebene besser kennengelernt. Letztes Jahr haben wir dann zu viert die GmbH gegründet. Mittlerweile ist noch eine Vertrieblerin im Team die uns im Verkauf unterstützt.

Mittlerweile müssen wir feststellen: Wir sind zwar gut in unseren Bereichen, aber eine Person mit BWL Background und Vertriebskompetenzen hätte uns von Anfang an nicht geschadet. Wir sind quasi ein Haufen die Nerds die den ganzen Tag am Produkt arbeiten können – aber Fachkompetenz ohne Vertrieb bringt kein Start-up voran.

Was sind eure Vertriebskanäle?

Wir haben das Thema Social-Selling für unser Produkt entdeckt. Unsere Vertrieblerin Christine hat sich innerhalb kürzester Zeit auf LinkedIn eine gute Reichweite aufgebaut und platziert dort unser Produkt. Sie ist genau die richtige für den Job und kann sich stundenlang in LinkedIN aufhalten. Wir arbeiten aber auch mit Händlern und kleinen Cafés zusammen, die wir direkt ansprechen. Außerdem kommt mittlerweile auch einiges über Magazine – darum kümmert sich Elisabeth, als Designerin hat sie dort die Kontakte.

Ihr habt mittlerweile mehr als Lebkuchen im Sortiment. Wie wollt ihr zukünftig euer Sortiment gestalten?

Wir wollen nicht nur für Lebkuchen da sein. Alle Produkte, die ein nachhaltige und genussvolles Leben ermöglichen, wollen wir auch liefern können. Zum einen liegt das daran, dass wir ein sehr kreatives Team haben. Zum anderen wollen wir mit unseren Kunden auch abseits der Weihnachts-Saison in Kontakt bleiben.

Unsere Food-Photographin Katharina Klug hat z.B. mit ihrem Mann ein Nudelkochbuch geschrieben, welches wir verlegt haben und es auch bei uns verkaufen. Besonders im Lockdown haben die Leute wieder mehr selbstgekocht – ab und zu sogar Pasta. Des Weiteren haben wir noch einen Cold-Brew-Coffee und ein Granola in das Sortiment integriert, welche wir gerne als Meetingbox an Geschäftskunden vertreiben. Das könnten wir mit eigens entwickelten Produkten nicht stemmen. Genannt haben wir diese Kombination Pfeffer and Friends. Dort versuchen wir uns weiterzuentwickeln. Unsere Kunden sollen uns als starke Marke wahrnehmen, um ein genussvolles Leben zu ermöglichen.

Was ist aktuell deine größte Herausforderung?

Leider unsere Verpackung. Wir hatten zwar im Januar schon das Design fertig, aber da verschiedenste Verpackungs-Komponenten zur gleichen Zeit in der Logistik sein müssen, ist das wirklich eine Herausforderung. Wir sind einfach für viele Verpackungshersteller noch zu klein.

Was ist für dich das Schönste an deiner Arbeit?

Das schönste ist: Immer wieder zu sehen was wir geschaffen haben. Ich habe gerade erst die neuen Produktbilder gesehen, was vor allem unseren Designern und Food-PhotographInnen zu verdanken ist. Ich bin wirklich super beeindruckt. Außerdem zu sehen wie viele neue Anfragen reinkommen, obwohl wir noch Sommer haben, ist wirklich schön.

Hast du eine Empfehlung für angehende Food-GründerInnen?

Fokussiert euch auf den Verkauf. Bleibt nicht an der Produktentwicklung hängen. Geht lieber raus an die Kunden und beobachtet wie der Markt reagiert. Überlebt euch wie ihr eure Produkte verkauft.

Welches Buch würdest du deinem früheren ich, sagen wir mal mit achtzehn, empfehlen und warum?

“Rich Dad poor Dad”. Weil wir zu wenig Finanzwissen in der schulischen Laufbahn gelehrt bekommen.

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