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Culinary Ladies – Was ist das?

Wir sind ein Netzwerk von Frauen aus allen Bereichen der Kulinarik. Bestehend aus: Köchinnen, Restaurantleiterinnen, Winzerinnen oder Beraterinnen. Manche Mitglieder sind in der Beratung tätig zum Thema Allergie, andere arbeiten als Ernährungswissenschaftlerin. Die ganze Bandbreite von Frauen, die im Feld Genuss und Kulinarik tätig sind. Wir vernetzen uns, um gemeinsam zu mehr Sichtbarkeit zu kommen.

Denn eins ist schade: Die Branche ist zwar nicht männerdominiert, aber aus den verschiedensten Gründen sind wir Frauen weniger sichtbar.

Stephanie Bräuer

Das hat bestimmt nicht nur mit bösen Männern zu tun – aber man nimmt die Frauen weniger war. Daran arbeiten wir – dazu müssen wir uns vernetzen, uns austauschen, darüber reden und letztlich gemeinsam für mehr Sichtbarkeit sorgen. Gerade erst hatten wir unser Jahresmeeting – endlich mal wieder live und in Farbe. Dort ist unser Spirit wieder neu entflammt und ich bin glücklich wieder mehr Aktivität aus unserem Netzwerk zu erfahren.

Es klingt für mich als wärt ihr eher in der Gastronomie-Branche vertreten. Stimmt das?

Ich würde sagen die reine Gastronomie ist eigentlich nur mit zirka 40% vertreten. Aber: Viele sind in einer Beziehung mit der Gastronomie; Winzerinnen zum Beispiel beliefern diese schließlich. Wenn ich diese Lieferbeziehungen inkludiere, kommen wir ungefähr bei 70%.

Sind die Culinary Ladies deutschlandweit aktiv oder sogar im deutschsprachigen Raum?

Wir sind deutschlandweit aktiv, wollen aber deutschsprachig werden – also auch in Österreich und der Schweiz wachsen.

Wo siehst du Probleme für Frauen, die im Food-Bereich Fuß fassen möchten?

Für mich gibt es zwei Punkte. Der eine Bereiche ist, indem ich als Frau als Minderheit auftreten wie beispielsweise in den meisten Küchen. In dieser Situation stehe ich einer Mehrheit gegenüber – was es schwierig macht meine Themen voranzubringen.

In der Küche sind meistens Männer in der Chef-Position. Frauen denken aber oft anders als Männer. Ich möchte das nicht als weiblicher Werte bezeichnen, ich weiß nicht mal ob diese überhaupt gibt – aber Frauen ticken ein wenig anders als Männer und deshalb kommt es ab und an zu Kommunikations-Schwierigkeiten. Bei den Culinary Ladies geht es uns darum die Frage zu beantworten: Wie können wir diese Kommunikation verbessern – nicht nur in der Küche. Dazu ist es manchmal erforderlich den Männern zu erklären wie Frauen ticken.

Wir haben auch in der Gastronomie Branche ein riesiges Personalproblem. Wenn sich die Gastronomie also nicht attraktiver macht für Frauen, dann verschenkt die Branche 50% des Personal-Potenzials.

Stephanie Bräuer

Wenn wir Food-Start-ups betrachten habe ich schon oft gehört: Männer verkaufen sich besser als Frauen. Dafür haben Frauen ihre Hausaufgaben besser gemacht, besonders was die Zahlen angeht. Die Lehre daraus darf aber nicht sein: Die blöden Männer wollen nur angeben. Sondern wir müssen daraus lernen mit mehr Selbstverständnis und Selbstbewusstsein aufzutreten. Denn dann bieten wir die perfekte Kombination: Wir beherrschen die Zahlen und können uns verkaufen.

Das wir uns schlechter verkaufen können liegt für mich an sozio-kulturellen Hintergründen. Es gibt eine Autorin die das Buch: Schrei kikeriki wenn du ein Ei legst – Erfolgsstrategien für Frauen verfasst und bei uns einen Vortrag gehalten. Besonders Frauen in meiner Generation – ich bin in den Fünfzigern – hatten noch Poesie-Alben und heute gibt es Instagram. Damals wurde uns folgender Spruch gepredigt, der das Problem glasklar verdeutlicht: Sei wie das Veilchen so bescheiden und rein, nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.

Das wurde uns beigebracht; und zwar nicht zu Uhrzeiten, sondern eben auch noch in den 70ern oder 80ern und bestimmte teilweise sogar noch heute. Das vermittelt die Grundhaltung: Ich als Frau darf weder angeben noch laut sein und das ist tatsächlich ein Problem.

Culinary Ladies
Die Culinary Ladies

Du hast ganz viele spannende Culinary Ladies in deinem Netzwerk – Sind das alles auch GeschäftsführerInnen oder was genau zeichnet die Culinary Ladies aus?

So seine Mischung aus beidem, sowohl Geschäftsführerinnen als auch Mitarbeiterinnen; weil ich glaube, nur so können wir voneinander profitieren. Ich habe einen Koch geheiratet, daher könnte man meinen es war naheliegend ein Netzwerk in dem Bereich zu gründen. Hätte ich ein reines Netzwerk für Köchinnen gegründet, wäre es zwar zu einem Austausch gekommen, aber was dann?

Deshalb war mir von Anfang an eine gute Mischung wichtig. Wenn ich sowohl eine Küchenchefin als auch eine Auszubildende, eine Restaurantleiterin und Zulieferinnen sowie Beraterinnen – dann habe ich die volle Bandbreite, es kann ein echter Austausch stattfinden und wir können alle etwas voneinander lernen. Dadurch entstehen tiefere Gespräche.

Ich wollte nie ein Netzwerk haben, indem wir einfach nur reden – quasi ein schönes Kaffeekränzchen abhalten. Ich wollte immer das auch was dabei rumkommt, ob es persönliche Kontakte sind oder neue Ideen; denn nur dann kann man es auch gemeinsam weitertragen.

Anfang diesen Jahres habt ihr eine Crowdfunding Kampagne gestartet. So wie ich es verstanden habe für das gesamte Netzwerk. Wie bist du darauf gekommen und wie ist die Kampagne gelaufen?

Das ist bei unserem letzten Jahres Meeting entstanden. Die Frage war: Wie erhöhen wir unsere Sichtbarkeit. Jeder der Lust hatte mitzumachen der konnte Produkte im Wert seines Jahresbeitrags einstellen dafür Werbung machen und zeigen, wie vielfältig wir sind. Diese Kampagne muss ich gestehen hat nur so halb funktioniert. Wir haben zwar fast alle Produkte verkauft, aber sie wurde von uns zu wenig beworben.

Wir haben uns auch da nur online gesehen, auch wenn jeder die seine Produkte auch beworben hat, hätten auch Mitglieder, die keine eigenen Produkte herstellen stärker dafür werben können. Dann hätte es deutlich schneller laufen können. Das war jetzt auch ein Thema auf unserer Jahresversammlung. Dort haben wir festgestellt: Wir müssen manchmal kommunizieren, wie das überhaupt geht. Denn manche Leute sind beispielsweise noch nicht so stark auf Instagram unterwegs. Deswegen werden wir auch ein Social Media Camp veranstalten.

Wie bist du zu den Culinary Ladies gekommen?

Ich habe Amerikanistik studiert und bin dann in der Pressearbeit und teils im redaktionellen Medienbereich gelandet. Pressearbeit habe ich für Fernsehproduktionsfirmen gemacht und auch redaktionelle Arbeit für einen Radiosender. Irgendwann habe ich dann meinen Mann kennengelernt. Wir sind von München nach Berlin, dann nach Düsseldorf. Weiter nach Kitzbühl und letztlich wieder zurück nach München.

In Düsseldorf habe ich bei Unicef als PR Journalistin gearbeitet. Da mein Mann Geschäftsführer und Küchenchef war haben wir uns dann überhaupt nicht mehr gesehen. Ich musste zu  dem Zeitpunkt immer nach Köln pendeln. Um mehr Zeit füreinander zu haben, bin ich zu ihm ins Hotel gewechselt. Dort habe ich Marketing und PR übernommen. In der Hotellerie hat man aber schnell viele jobs – so bin ich auch ins Veranstaltungs-Management gekommen. Mein Hintergdanke war: Ich werde mich selbstständig machen und das Hotel als Kunden mitnehmen.

Dann sind wir nach Berlin gegangen und da kannte ich niemanden. Nachdem ich ein halbes Jahr vergeblich einen Job gesucht hatte, habe ich mich selbstständig gemacht; mit einer kleinen PR Agentur. Ich habe einen kleinen Schokoladen Kunden oder auch den Verein der deutschen Köche betreut. Danach sind wir nach Österreich. Dort habe ich dann weiterhin Marketing und PR gemacht. Nachde wir dann zurük nach München sind hatte ich keine Lust mehr auf PR und habe mich mehr aufs schreiben konzentriert.

In meinem ersten Buch ging es zum Küchenchefs und ihre Frauen. Auf die Idee kam ich, weil mich ständig Leute gefragt haben: Was kocht eigentlich dein Mann zuhause?

Eigentlich wollte ich ein eigenes online Magazin starten und habe sehr schnell festgestellt: Es gibt nichts über Frauen in der Kulinarik. Ab und zu trauen Frauen in der gastro Presse auf aber viel zu wenig. Parallel fiel mir ein Buch über Geschichten von Spitzenköchinnen in die Hand. Wie schade es ist, dass so viele ähnliche Geschichten und Probleme dort beschrieben werden aber alles bei der Geschichte bleibt. Da habe ich mir gedacht: Wie schön wäre es, wenn man sich zusammentut und die Probleme auch angeht. Daraus ist das Netzwerk Culinary Ladies entstanden. Von Anfang an mit dem Hintergedanken: Wir müssen auch Events machen und uns live treffen.

Was ist deine größte Herausforderung aktuell?

Den Schwung mitzunehmen den wir auf der offline Veranstaltung jetzt aufgenommen haben und diesen weiter zu halten Punkt und die viele Ideen die wir jetzt entwickelt haben was wir machen können mit Themen Frauen und Familien der Gastronomie oder Selbstbewusstsein oder Kommunikation mit Männern so weiter zu tragen dass wir in einem Jahr nicht nur mehr Mitglieder sind sondern auch das ein oder andere bewirkt haben.

Was ist das Schönste für dich an deiner Arbeit?

Die Frauen! Ich bin ein neugieriger Mensch und finde es toll so viele Geschichten zu hören. Immer wenn ich an den Punkt komme und mich Frage: Wieso hast du dir das nochmal angetan? Dann habe ich Gespräche, bei denen ich merke wofür es sich lohnt. Es gibt wirklich so interessante Frauen die sich engagieren, das macht einfach Spaß.

Empfehlung für Gründer/innen im Bereich Food

Das wichtigste ist: Einfach machen. Natürlich mit Konzept, aber dennoch einfach mal anfangen – das geht auch mit wenig Start-Kapital.

Den Mut haben seine Idee in die Welt zu setzen und auch vielen Leuten davon zu erzählen.

Stephanie Bräuer

Sich von negativem Feedback nicht unterkriegen zulassen und dran bleiben.

Welches Buch würdest Du deinem früheren Ich, sagen wir mal mit 18, empfehlen und warum?

„Lerne dich selbst zu lieben und heirate wen du willst“. Das ist gerade für Frauen wichtig, wie ich finde. Du bist verantwortlich für dein Leben. Deshalb sieh zu, dass du dich selbst akzeptierst und stolz auf dich bist. Dann brauchst du auch niemanden der dich glücklich macht. In dem Moment wo es dann dochmal notwendig ist, könnt ihr euch gegenseitig glücklich machen.

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