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Bevor du Cultinova vorstellst, würde ich bitten einige Begrifflichkeiten zu klären: Greenhouse, Vertical Farming, Polytunnel, Hydroponics, Aquaponics und Aeroponic.

Wir sind eigentlich ein IT-Unternehmen. Wir bieten Sensorik- und Software-Lösungen für den geschützten Anbau im urbanen Bereich.

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Nicole Thorpe von Cultinova

Fangen wir mit vertical Farming an: Im Gegensatz zur klassischen Landwirtschaft werden hier, wie in einem Regal, mehrere Schichten Pflanzen übereinandergestapelt. Die Belichtung und die Nährstoffzufuhr für die Pflanze passiert künstlich. Eine Vertical Farm wird für gewöhnlich ohne Tageslicht betrieben. Der Vorteil durch das Stapeln ist ein höhere Ausnutzungsgrad der vorhandenen Fläche. Ein Beispiel dafür wäre Infarm. Es kann aber auch eine Lagerhalle sein, die dafür umfunktioniert wurde. In Großbritannien wurde sogar ein alter U-Bahn-Schacht als Farm umgebaut.

Im vertikalen rechnen wir in Volumen und nicht in Quadratmeter. Daher kann dort ein höherer Ertrag erwirtschaftet werden.

Nicole Thorpe von Cultinova

Polytunnel kennt jeder vom Feld: Erdbeeren werden unter solchen Tunneln oft angebaut.

Hydroponic ist sozusagen „Erdlos“, d.h. die Pflanzen wachsen nicht in der Erde, sondern beispielsweise auf Steinwolle.

Aeroponic (oder auch Fogponic) ist eine Art Spühnebel der zur Nährstoffversorgung der Pflanze dient.

Aquaponik ist die Kombination von Fisch-Farming und dem Anbau von Lebensmittel. Die Nährstoffe der Fischzucht werden für das Pflanzenwachstum genutzt. In Bayern gibt es einen Hersteller der Aquaponik nutzt: https://www.crustanova.com/.

Welche Lösungen bietet ihr bei Cultinova an?

Wir uns auf Sensorik, Mess- und Regeltechnik für alle Arten von kontrolliertem Anbau spezialisiert, der nicht auf dem Acker stattfindet; ob im Gewächshaus oder in der Vertical Farm. Um das Pflanzenwachstum nachzuahmen, muss ich die Umgebung und die Parameter kontrollieren – dies geht nur mittels Sensorik-Messungen. Durch die Hardware messen wir dann gewisse Zielparameter, die ich kennen muss. Diese werden bestimmt durch die Art der Pflanze, die dort wachsen soll. Dadurch kann ich beispielsweise Geschmack oder Vitamingehalt beeinflussen. Wir bieten die Sensorik dazu und gleichzeitig auch die Software zur Steuerung dieser.

Das Ganze funktioniert in Echtzeit. Des Weiteren haben wir eine Software-Plattform entwickelt, die dazu hilft, Prozesse zu optimieren. Diese hilft auch die Themen Rückverfolgbarkeit, Lebensmittelsicherheit oder Zertifizierung sicherzustellen.

Das klingt alles sehr technisch – wer ist am Ende euer Kunde / der Anwender der Produkte?

Sehr unterschiedlich – von Forschung bis personalisierte Ernährung. Wir arbeiten viel mit der Forschung zusammen. Wenn Forschungseinrichtungen testen wollen, wie Pflanzen auf verschiedene Belichtungen reagieren, können sie dies nicht auf dem Acker tun; da kommen wir ins Spiel. Die Hochschule Osnabrück forscht beispielsweise sehr viel. Es gibt aber auch Leute, die eine kontrollierte Farm gründen möchten. Im Bereich alternativer Proteine wären dort Insekten zu nennen.

Du bist mit Cultinova bereits 2011 gestartet – gab es damals schon ähnliche Lösungen? Ich kann mir vorstellen das Thema vertical farming war damals eher noch nicht so bekannt.

Wir sind damals mit unserem Kerngeschäft IT und Internet der Dinge gestartet; als kleines Familienunternehmen gemeinsam mit meinem Mann. Wir sind durch den ein Projekt im Bereich nachhaltige Stadtbegrünung in die Schiene gerutscht. Vor 10 Jahren war das Thema „Green Walls“ bereits in einigen Städten präsent. Über einen Umweg, die Präzisions-Landwirtschaft („precision farming“) haben wir unsere Sensorik ausprobiert. Dort haben wir gemerkt: Es gibt viele Stressoren vor denen Landwirten stehen, die wir mit Technik lösen können.

Ein Projekt hat uns dann in den Indoor-Bereich manövriert. Mein Mann kommt aus der Halbleiter-Industrie und wir haben gemerkt, von dieser kann die Branche noch viel lernen. So haben wir unsere Nische gefunden.

Wie siehst du die Zukunft der Landwirtschaft? Wann wird ein größerer Anteil auf unserem Teller aus dem kontrollierten Anbau kommen?

Besonders wenn wir noch mehr an der Energie-Effizienz feilen, wird es in Zukunft definitiv einen größeren Stellenwert einnehmen.

Nicole Thorpe von Cultinova

Das ist sehr vom Land abhängig. Wenn wir von Deutschland und Europa sprechen, wage ich zu sagen: Wir sind gar nicht so weit weg. Wir in Deutschland haben zwar noch viel Platz und merken den Druck vom Klimawandel, aber ich glaub es sind noch nicht genug Informationen beim Verbraucher angekommen. In fünf Jahren wird die Welt schon ganz anders aussehen. Während Corona haben wir bereits gemerkt, dass mehr als Klopapier gefehlt hat. Unser Lieferketten müssen in Zukunft umgedacht werden. Wir müssen aber noch daran feilen, welche Kulturen wir kontrolliert anbauen können. Aktuell wird noch viel Blattgemüse und Sprossen Indoor angebaut.

Um was geht es beim EU-Projekt CRUNCH an dem Ihr mitwirkt?

Das Projekt ist bereits abgeschlossen. CRUNCH steht für „climate resilient urban nexus choices“. Es war ein komplexes dreijähriges Projekt mit vielen Akteuren. Es war ein nachhaltiges Städteprojekt was im Bereich Zusammenspiel von Lebensmittelherstellung, Wasserversorgung und Energieversorgung geforscht hat. Möglichkeiten zur Optimierung in zirkulären Systemen wie beispielsweise die Nährstoffe einer Kläranlage für das Pflanzenwachstum zu Nutzen. Alles in einem Kreislauf-System, wo nichts verloren geht. Ziel des Projektes war die Entwicklung eines Software-Tools, dass bei der Entscheidung unterstützt welche Maßnahmen umgesetzt werden sollten.

Mehr dazu hier: https://www.youtube.com/watch?v=A7hgku77GOA

Es gibt noch kein fertiges Produkt, dazu muss weiter geforscht werden.

Was ist deine größte Herausforderung aktuell?

Überzeugungsarbeit für unsere Software zu leisten. Im Bereich Vertical Farming bei der Lebensmittelherstellung konzentrieren sich die meisten noch auf die Produktion und vergessen das Business. Letztlich konkurrieren unsere Kunden auch mit den Discountern auf dieser Welt – da muss an jeder Stellschraube gedreht werden.

Was ist das Schönste für dich an deiner Arbeit?

Das ich mit wahnsinnig vielen Menschen und Ideen zu tun habe. Vom Insektenfarmer über Blattgemüse-Anbauer bis zu medizinischem Cannabis. Genauso ist es super spannend was wir mit den Daten machen können und welche Aussagekraft diese haben können; sodass Storytelling durch Daten betrieben werden kann.

Welches Buch würdest Du deinem früheren Ich, sagen wir mal mit 18, empfehlen und warum?

Was mir spontan einfällt ist: „Why we sleep“. Es geht um unser Schlafverhalten und warum Schlaf so wichtig ist. Hätte ich das früher gelesen, hätte ich wahrscheinlich auch länger geschlafen und wäre möglicherweise intelligenter geworden.


Hier gehts zu einem Ard Bericht zum Thema vertical Farming: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/niederlande-ernaehrung-forschung-101.html

Eine entgegengesetzte Entwicklung ist die Permakultur und das Market Gardening

Im Gegensatz dazu die Permakultur: https://www.ardmediathek.de/video/hallo-niedersachsen/mit-permakultur-zur-nachhaltigen-landwirtschaft/ndr-niedersachsen/Y3JpZDovL25kci5kZS9kZjU2OTg1YS0yMmJjLTRkYjItYWM0ZC05ODZhZGQxM2UzZTg/

Interview mit dem Market Gardening Betrieb “Weiherhofer Gartengemüse”: [KLICK]

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