fbpx

“Start ups werden als junge Unternehmen mit Wachstumsambitionen definiert. Sie haben ein innovatives Geschäftsmodell, ein innovatives Produkt oder eine innovative Dienstleistung.

Sie haben Skalierungspotenzial.

Als Beispiel für eine hohe Gesellschaftliche Relevanz wird der Energiesektor zur Erzeugung von Elektrizität angeführt.

Potenzial haben auch andere Branchen wie die Landwirtschaft und Ernährung.”

An dieser Stelle taucht “Landwirtschaft und Ernährung” auf; aber auch nur an dieser Stelle.

Folgende Suchbegriffe tauchen in dem Entwurf nicht auf:

  • Food
  • Lebensmittel
  • Nahrungsmittel

Dafür taucht “digital” fünfundzwanzig mal und KI acht mal auf. Der Fokus des Programms scheint eindeutig, oder?


*Das Bundesministerium hat 80 Expert*Innen befragt und sechs Workshops zu zentralen Themen veranstaltet. Der Beteiligungsprozess wird weitergehen. Auf dieser Grundlage will die Bundesregierung Potenziale für die Wirtschaft nutzen.

Zehn Punkte die die Regierung angehen will:

  1. Finanzierung für Start-ups stärken,
  2. Start-ups die Gewinnung von Talenten erleichtern – Mitarbeiterbeteiligung attraktiver ausgestalten
  3. Gründungsgeist entfachen – Gründungen einfacher und digitaler machen
  4. Start-up-Gründerinnen und Diversität stärken
  5. Start-up-Ausgründungen aus der Wissenschaft erleichtern
  6. Rahmenbedingungen für gemeinwohlorientierte Start-ups verbessern
  7. Start-up-Kompetenzen für öffentliche Aufträge mobilisieren
  8. Start-ups den Zugang zu Daten erleichtern
  9. Reallabore stärken – Zugänge für Start-ups erleichtern
  10. Start-ups ins Zentrum stellen

Die Bundesregierung wird die in der Start-up-Strategie gebündelten Maßnahmen
innerhalb dieser Legislaturperiode umsetzen. Sie wird jährlich über den Stand der
Umsetzung berichten.

Ich werde der Regierung auf die Finger schauen und das ganze beobachten. Dieser Artikel bleibt also im Fluss und wird regelmäßig aktualisiert.


1. Finanzierung stärken

*Die Regierung will den Investitionsmarkt stärken und inländischen Investoren zusätzliche Möglichkeiten für großvolumige Investitionen bieten. 63 Prozent der Scale-Ups in Europa sind von ausländischen Fonds finanziert.

*Die Erschaffung eines Dachfond bei der Kfw wurde als wichtiges Signal eingestuft und soll verfolgt werden.

Eine wichtige Erkenntnis – ich bin gespannt, ob das umgesetzt wird. Denn gerade für höher volumige Finanzierungsrunden ist es auch bei Food-Start-ups eng.

*Die Bundesregierung unterstützt mit dem Zukunftsfonds und seinen
einzelnen Modulen innovative technologieorientierte Start-ups in ihrer
Wachstumsphase und stellt 10 Mrd. Euro neue öffentliche Mittel in einem
Investitionszeitraum bis 2030 bereit.

Wieso nur technologieorientierte Start-ups? Zu Beginn des Dokuments werden noch Landwirtschaft und Ernährung genannt – dort ist auch ausreichend Potenzial ohne Technologiefokus.

*Die Bundesregierung wird das INVEST-Programm neu auflegen, um den
Business-Angel-Markt in Deutschland weiter nachhaltig zu beleben. Das
Inkrafttreten einer neuen INVEST-Förderrichtlinie wird zum 1. Januar 2023
angestrebt.

Beim Invest-Programm werden private Investoren mit Rückerstattungen gelockt. Das klingt attraktiv. Ob es auch Anwendung findet, kann ich nicht beurteilen.

*Die Bundesregierung strebt den Aufbau eines Kapitalstocks bei der
gesetzlichen und privaten Altersvorsorge an und wird diesen mit einer
Mindestinvestitionsquote in VC-Fonds versehen, um die Verfügbarkeit von
Risikokapital strukturell und dauerhaft zu stärken.

Ich verstehe das so: Die Regierung möchte unsere Rentenvorsorge in hochrisikoreiche Start-ups investieren? Holla die Waldfee. Da wird selbst mir als Start-up-Enthusiast etwas flau im Magen.

2. Mitarbeiter

*Die Regierung will die Möglichkeiten zur Mitarbeiterbeteiligung an Start-ups verbessern. Dazu soll das Einkommenssteuerrecht verbessert werden. Es bestand Einigkeit, dass die Gewinnung von Fachkräften für Start-ups eine Herausforderung darstellt, gerade im IT-Bereich (außerdem in den Bereichen Marketing und Sales). Die Einwanderung soll erleichtert werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Das Thema Mitarbeiterbeteiligung wird zum Glück von vielen Organisationen vorangetrieben. Es kann nur besser werden.

3. Gründungsgeist entfachen –
Gründungen einfacher und digitaler machen

*Gründungen sollen digitalisiert werden – insbesondere die Möglichkeit einer digitalen Bargründung einer GmbH. Verschiedenste Gründungsportale sollen miteinander verknüpft werden, um gründen zum One-Stop Erlebnis zu machen. Die Bundesregierung will Start-ups in den Regionen als Wirtschaftspaten für die JUNIOR-Schüler*innenfirmen gewinnen.

Na hoffentlich wird das auch vernünftig bezahlt. #Opportunitätskosten

Aber da können wir uns dann sicher bald auf dem neuen digitalen Portal für bewerben.

Der Frauenanteil und die Diversität soll erhöht werden. #NichtsNeues

Diskutiert wurden Quoten von 30% in Start-ups, VC Fonds und staatlichen Fonds auf C-Level.

Auch die Vereinbarkeit von Karriere und Familie soll verbessert werden, beispielsweise durch mehr Betreuungsangebote und Steuerentlastungen.

Es soll ein EXIST Women aufgesetzt werden.

Das klingt alles echt toll. Über Frauenquoten lässt sich wie immer streiten. Mehr Förderprogramme insbesondere für Frauen und Eltern sind durchaus angebracht. Das hat mir auch Shweta von JustJosh im Interview berichtet, die als Solo-Preneurin ein Kind bekommen hat.

4. Start-up-Ausgründungen aus der Wissenschaft erleichtern

*Das EXIST Förderprogramm soll aufgestockt werden. Außerdem soll das Thema Gründen in Hochschulen verstärkt gelehrt werden. Die Bundesregierung wird gemeinsam mit Stakeholdern prüfen, wie verschiedene Fachrichtungen besser vernetzt werden können.

Das EXIST Programm ist richtig und wichtig. Für mich ist aber die Vernetzung von Fachrichtungen ein viel wichtigerer Meilenstein. Gerade im Bereich Food, wo viele Quereinsteiger gründen. #CoFounderSuchenUndFinden

5. Rahmenbedingungen für gemeinwohlorientierte Start-ups verbessern

*Die Bundesregierung wird passende Finanzierungsinstrumente für
gemeinwohlorientierten Start-ups entwickeln, unter besonderer
Einbeziehung europäischer Strukturfondsmittel, und ihnen so den Zugang zu
Finanzmitteln erleichtern.

*Die Bundesregierung will Projekte von Inkubatoren und Akzeleratoren
fördern, die auf eine Stärkung des Ökosystems für
gemeinwohlorientierte Start-ups abzielen. So treibt sie die Vernetzung von
gemeinwohlorientierten Start-ups untereinander, aber auch mit Investoren und
der gewerblichen Wirtschaft voran.

7. Start-up-Kompetenzen für öffentliche Aufträge mobilisieren

*Von der öffentlichen Hand werden jährlich Aufträge im Wert von über 100 Mrd. Euro vergeben.

*Die Bundesregierung wird einen E-Marktplatz einrichten beim
Kompetenzzentrum Innovative Beschaffung (KOINNO), um den
Marktüberblick zu verbessern.

*Die Bundesregierung wird eine zentrale Vergabeplattform installieren,
über die Bekanntmachungsdaten zu möglichst allen Vergabeverfahren in
Deutschland auffindbar sind.

*Die Bundesregierung wird systematische Evaluierungen durchführen,
um die Entwicklung der Berücksichtigung von Start-ups bei öffentlichen
Ausschreibungen zu erfassen.

Für Food-Start-ups sehe ich leider noch wenig Potenzial im Bereich der öffentlichen Hand zu agieren. Wenn jemand allerdings Beispiele dafür hat, immer her damit.

8. Start-ups den Zugang zu Daten erleichtern

*Die Bundesregierung wird sich im Rahmen der Verhandlungen zum
europäischen Data Act insbesondere für angemessene Anreize zum
Teilen von Daten einsetzen sowie für ausgewählte verpflichtende
Datenzugänge

*Die Bundesregierung wird beim Aufbau des geplanten Dateninstituts
spezifisch die besonderen Belange von Start-ups berücksichtigen.

9. Reallabore stärken – Zugänge für Start-ups erleichtern

*Reallabore machen es insbesondere für Start-ups möglich, unter Aufsicht und
Begleitung der zuständigen Behörden innovative Technologien oder
Geschäftsmodelle im realen Umfeld zu erproben, die im allgemeinen Rechtsrahmen
noch an Grenzen stoßen. Die Reallabore-Strategie zielt darauf ab, hierfür rechtliche
Freiräume zu schaffen und insbesondere Start-ups Zugang zu Reallaboren zu
erleichtern.

Auch in diesem Teil wird viel über KI gesprochen und wenig über Food. Gerade für Food wären staatlich geförderte Reallabore ein absoluter Traum. Das würde ich mehr wirklich sehr wünschen.

10. Start-ups ins Zentrum stellen

*Die Bundesregierung wird die Vernetzung aller relevanten Akteure im
Start-up-Ökosystem vorantreiben. Dafür wird sie gemeinsam mit den
Stakeholdern erstmals einen „Start-up Summit Germany“ veranstalten.

*Die Bundesregierung wird die Digital Hub Initiative weiter thematisch
und regional ausbauen.

*Die Bundesregierung wird das Netzwerk der Mittelstand-Digital Zentren
stärker mit Start-up-Initiativen vernetzen, damit diese auch von Start-ups
noch stärker genutzt werden können.

*Die Bundesregierung wird Start-ups mit dem Gründungswettbewerb –
Digitale Innovationen sowie der Auszeichnung als Digitales Start-up des
Jahres weiterhin eine Prämierung bieten mit hoher Sichtbarkeit, attraktiven
Preisgeldern und umfangreichen Coaching- und Vernetzungsangeboten.

Auch in diesem Bereich wird wieder ausschließlich über digital gesprochen. #schade


Fazit

Der Entwurf zeigt viel Potenzial auf und gibt Hoffnung. Die zehn Punkte sind alle wichtig – jedoch ist der Fokus zu stark auf Technologie. Der Lebensmittelsektor ist für ein gewaltiger Hebel für den Klimawandel und sollte in seiner Relevanz von der Bundesregierung anerkannt werden.

Ich erhoffe mir in der Fortführung der Expertengespräche, dass auch Food näher in den Fokus rücken wird.


Quellen

https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2022/03/20220310-startschuss-fur-die-start-up-strategie-der-bundesregierung.html

https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/E/entwurf-des-bmwk-fur-eine-start-up-strategie-der-bundesregierung.pdf?__blob=publicationFile&v=6

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>
%d Bloggern gefällt das: